was wir uns alle fragen sollten

Liebe Freunde,

320.000.000 Euro.

Wir sollten uns alle fragen, wie viel dreihundertzwanzigmillionen Euro (so viel waren die Rüstungsexporte im Jahr 2014 wert, die durch den Hamburger Hafen in die geostrategischen Interessengebiete dieser Welt verschifft wurden) wirklich wert sind.
Wir sollten uns alle fragen, ob ein Teil dieser Exporte für Zwecke benutzt werden, deren Folgen sich nicht nur durch  Aufnahme und Versorgung der 10.000 Menschen lindern lassen, die jedes Wochenende an den Grenzen dieses Rüstungsexporteuropas angeschwemmt werden und warten und hoffen (sofern sie noch atmen) und die sich im Angesicht einer realen Gefahr zerbombter Häuser, getöteter Nachbarn und verstorbener Freunde und Familie zu einer Flucht entschließen, deren verachtenswerte und gefährliche Wege durch ein System genährt und gesteuert werden, dessen obersten Vertreter auch dank unserer demokratischen Legitimation an den Wahlurnen billigend in Kauf nehmen, dass diese unmenschlichen Wege weiterhin beschritten werden müssen.

Wir sollten uns alle fragen, ob sich die Vertreter und Staatenlenker der Europäische Union daran erinnern, dass die EU im Jahr 2012 den Friedensnobelpreis erhielt: für den erfolgreichen Kampf für Frieden und Demokratie.

Die Präambel des Vertrages der Europäischen Union beinhaltet folgenden Absatz:

schöpfend aus dem kulturellen, religiösen und humanistischen Erbe Europas, aus dem sich die unverletzlichen und unveräußerlichen Rechte des Menschen sowie Freiheit, Demokratie, Gleichheit und Rechtsstaatlichkeit als universelle Werte entwickelt haben…

Wir sollten uns alle fragen, weshalb wir zulassen, dass diese universellen Werte in Teilen Europas mit Stacheldraht und Androhung und Durchsetzung von Gewalt geschützt und somit doch zugunsten einer Verteidigung gegen alles Fremde veräußerlicht werden. Eine Verteidigung dieser Art findet ihren Widerspruch dergestalt, dass sie nicht ihre eigenen Werte bewahrt, sondern verletzt, wenn Europa jene ausschließen möchte, deren universellen Werte nicht in die eigene Realität passen. Europa belügt sich selbst! Und somit uns und alle!

Wir werden am Samstagabend, den 19. September, in Hamburg auf dem Willkommensfest für Flüchtlinge auf dem Tschaikowskyplatz ein Konzert geben. Ein Konzert mit sehr bitterem Beigeschmack, denn wir sollten uns alle fragen, ob Willkommensfeste das humanistische Erbe Europas sind.

20vor8